Der Truppenübungsplatz Bergen und seine Geheimnisse - Fundstellen in Niedersachsen
Da hier viele an Militaria interessiert sind erstelle ich selbst mal diesen Beitrag. Ich wähle diesen Ort aus drei Gründen. Zum Einen weil es ein RIESENGELÄNDE mit langer militärischer Historie ist, zweitens weil es verschiedene teils sehr alte Sehenswürdigkeiten enthält und drittens weil ich selbst das Glück hatte in Bergen meine Jugend zu verbringen und ich selbst die Kasernen und das umliegende Gelände sehr sehr gut kenne.
Der Truppenübungsplatz Bergen:
Die Entstehungsgeschichte fängt früher an als manche dachten. Bereits im 19. Jahrhundert nutzte die königliche Hannoversche Armee diesen Bereich, etwa 10km westlich der Stadt Bergen bei Celle, als Exerzierplatz. Damals ein kleines und überschauliches Gebiet, von der Bergener Bevölkerung und den Bauern rundherum noch wohlwollend gedulded. Das änderte sich 1934 schlagartig als die Wehrmacht das Gebiet als Übungsplatz für sich entdeckte und begann den Übungsplatz auszubauen. Sage und Schreibe 24 Dörfer und Einzelsiedlungen wurden für den Ausbau plattgemacht und über 3.500 Einwohner mehr oder weniger freiwillig umgesiedelt. Trotz Umsiedlungsmaßnahmen gibt es auch heute noch zivile Gehöfte und kleine Siedlungen innerhalb des Truppenübungsplatzes!
1936 konnten bereits Schießübungen und 1938 richtige Übungen durchgeführt werden. Bis 1940 gab es weitere Ausdehnungen entlang der A7. Im Bergener Ortsteil Belsen entstanden Unterkünfte für 15.000 Soldaten (das damalige Ostlager). Es bestand zu der Zeit aus rund 100 Kasernengebäude, 50 Pferdestallungen und 40 Großgaragen. Ein Lazarett, verschiedene Munitions Depots und ein Scheibenhof (eigens für die Herstellung der Zielscheiben) rundeten den Komplex ab. Im März 1944 zog die Panzertruppenschule von Wünstorf in den Komplex und wurde umbenannt in Panzertruppenschule I Bergen. Noch im Februar 1945 zog auch die Ungarische Panzertruppenschule dahin und wurde der deutschen eingegliedert.
Jetzt kommt leider der unangenehmere Teil:
Die Arbeiter, die für den Bau des das Ostlagers eingesetzt waren, wurden im Barackenlager "Heeres-Neubau-Material- und Arbeitslager" etwa 5km südlich der Baustelle untergebracht. 1938 zogen die Arbeiter ab, das Arbeitslager diente danach zuerst als Waffendepot. 1940 erhielt das Lager jedoch die Kennung Stalag XI C Bergen-Belsen woraus später das berüchtigte Konzentrationslager Bergen-Belsen wurde in der u.a. Anne Frank starb. Nach Ende des zweiten Weltkriegs, am 15. April 1945, übernahm die Britische Armee die Anlage. Der Ostbereich wurde weiterhin militärisch als "Royal Armoured Corps Training Centre" genutzt. Die britische Kommandantur zog zunächst in ein Barackenlager da das Ostlager (der Komplex) belegt wurde von den Überlebenden des KZ's. Erst in 1946 konnte die Kommandantur in das Ostlager umquartiert werden. Der ungenutzte Südwestbereich des Truppenübungsplatzes wurde von den Flüchtlingen besiedelt. Diese mussten allerdings bereits 1947 wieder umgesiedelt werden da der Truppenübungsplatz weiter ausgebaut werden sollte. Bis 1952 dehnte sich der Truppenübungsplatz deutlich über die Grenzen der Wehrmacht aus und erreichte seine heutige Größe von sagenhafte 28.400 ha (etwa 25x18km).
Die Briten erlaubten 1957 erstmals der noch jungen Bundeswehr auf dem Platz zu üben. Am 1.4.1958 übergab man den Übungsplatz schließlich an die Bundeswehr. Ab dann führte er die noch heute gültige Bezeichnung "NATO-Schießplatz Bergen-Hohne". In weiser Voraussicht nutzte man in der Bezeichnung das Wort NATO weil der Name zeigen sollte, daß die Belegung der Übungsflächen nicht durch die Bundeswehr, sondern durch die NATO durchgeführt werden sollte. Die Hauptnutzerstaaten sind somit Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Belgien und bis zum Abzug der US Army aus Garlstedt auch deren Einheit. Nur der Südbereich, das Ostenholzer Moor mit seinen Infanterieschießbahnen, steht in der Verfügungsgewalt des Bundesverteidigungsministeriums.
Jetzt einige Tatsachen und Fakten zum Gebiet für Sondler:
1. Der Platz hat sich im Laufe der Jahre ständig verändert, nicht nur durch die ununterbrochene intensive militärische Nutzung sondern auch durch die Anpassung der Liegenschaft an die Waffenentwicklungen. Spuren der früheren Nutzungszeit sind nur teilweise noch erhalten.
2. Leider ist der gesamte Truppenübungsplatz ist militärischer Sicherheitsbereich und darf nicht betreten werden. Unglaubliche 240km befestigte Straßen durchkreuzen den gesamten TrÜpl und verbinden einzelne Bereiche miteinander.
3. Es ist an unzähligen Stellen jederzeit möglich mit Kfz, Fahrrad oder Motorrad auf diese Straßen zu gelangen (wenn man die Warnschilder ignoriert) aber wenn man erwischt wird von den zivilen Wachgesellschaften, so drohen einem mindestens 80€ Bußgeld. z.B. der Ort Lohheide (1km westlich von Bergen), man fährt Bergen raus, nach 1km kommt man in Lohheide rein, fährt man die Hauptstraße bis zum Ende durch, landet man, bevor man sich versieht, im "militärischen Sperrbezirk".
4. Nur im Südbereich (nahe Soltau-Süd an der A7 Abfahrt) stehen einige Durchgangsstraßen für den öffentlichen Verkehr zur Verfügung. Auch ist es möglich, an Wochenenden auf einer Zufahrtstraße entlang der Schießbahn 8B zu den frühgeschichtlichen Steingräbern "Sieben Steinhäuser" zu gelangen!
5. Auf dem TrÜpl darf mindestens die Bundeswehr jede erdenkliche Artillerie einsetzen. Somit sind unterschiedlichste Munitionshülsen überall auf dem Gelände verstreut. Dazu gesellen sich Panzer- und Fahrzeugteile, Ausrüstungsteile, Abzeichen und alles erdenkliche an Material was Soldaten in über 100 Jahren Nutzung verballern und verlieren.
Zur Landschaft:
Das gesamte Gebiet besteht überwiegend aus Heidelandschaft und Wälder. In der Südwest-Nordost-Richtung durchstreift eine stark bewaldete Moränenlandschaft (das „Becklinger Holz“) den TrÜpl. Diverse kleine Bächer und Flüße sowie einige Hügel bis 150mm über NN liegen ebenfalls im Gebiet.
Sehenswürdigkeiten:
Mitten im TrÜpl liegen mindestens drei spannende Sehenswürdigkeiten die allesamt ein interessantes Sondelgebiet darstellen (sollte man sich dem unentdeckt nähern können)
1. Die Sieben Steinhäuser
Eine Grabanlage eine bestehend aus fünf Großsteingräbern, datierend aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. in der Epoche der neolithischen Trichterbecherkultur. Erbaut von den damals sesshaften Bauern. Die Zahl "sieben" rührt ein wenig vom Aberglaube her, es sind aber nur fünf. Siedlungen wurden in der Nähe der Gräber nie entdeckt. Bei archäologischen Ausgrabungen vor sehr gut 80 Jahren fand man bisher lediglich Feuersteinklingen, Scherben eines mit Tiefstich verzierten Gefäßes, Bernsteinperlen, eine querschneidige Pfeilspitze und ein Becher mit Fischgrätmuster.
2. Schloss Bredebeck
Mitten im Truppenübungsplatz liegt das ausgebaute Herrenhaus Schloss Bredebeck. Das Schloss samt weitläufigem Schlossgelände wurde 1936 durch die Wehrmacht in den TrÜpl einverleibt. Seitdem und bis heute ist das Schloss für die Öffentlichkeit unzugänglich. Das Herrenhaus entstammt dem Hof tom Bredbeck dessen Geschichte bis ins Jahr 1476 zurückreicht. Nach 1945 diente es als britisches Offizierskasino und danach gelegentlich auch als Gästehaus. So gastierte hier schon mal die englische Königsfamilie und erst 2011 war Prinz Andrew, Duke of York, hier noch zu Gast. Seit 1936 ist das gesamte Schlossgebiet quasi unberührt und somit, wenn man dorthin gelangt, ein Paradies für Sondler dessen Gelände seit über 500 Jahren von Bauern, Adlige und Offiziere genutzt wird.
3. Das ominöse Lazarett (Glyn-Hughes Hospital)
Ehrer was für Menschen die sich gruseln wollen aber vielleicht auch für Sondler die sich auf dem riesigen Gelände umschauen wollen. Das oben erwähnte Lazarett (später Glyn-Hughes Hospital, danach Glyn-Hughes-Barracks) welches in Nähe des Ostlagers (Lager Hohne) erbaut wurde ist eine im Kreis angeordneter Gebäudekomplex bestehend aus verschiedene Gebäude. Es ist als eins der wenigen Punkte noch erreichbar über normale Straßen (noch kein Sperrbezirk). Der Krankenhauskomplex diente der Wehrmacht bereits als Lazarett und so gibt es in und an den Gebäuden noch eindeutige Merkmale wie ein Parteiadler und Vaterlandsparolen in Stein gemeißelt.
Die Zeit ab 1945 ist sehr gut dokumentiert. Der britische Militärarzt Hugh Llewelyn Glyn Hughes vertrieb 1945 die deutsche Soldaten aus dem Krankenhaus und versorgte dort die Überlebenden des KZ's Bergen-Belsen. Jahrelang wurde es als Krankenhaus genutzt. Nun steht es seit einigen Jahren leer und verfällt. Der Komplex ist in Google Maps nicht eingetragen und nur mit viel Gegoogel kann man den Standort finden. Die Gebäude sind von aussen durch Tore abgeriegelt und vermitteln einen gespentischen Eindruck. In den Wäldern rundherum gibt es keine typischen Waldgeräusche, keine Tierlaute. Weder die Engländer noch die Stadt Bergen wollen die Gebäude haben. Es ist ein unheimlicher Ort. Über die Zeit vor 1945 gibt es in der Bergener Bevölkerung Gerüchte von grausamen Behandlungen und Expirementen an Menschen. In eins der Gebäude steht sogar noch ein Seziertisch wo nicht dokumentierte Behandlungen vorgenommen wurden.
Soviel zu meinem ersten Eintrag in Niedersachsen. Ein weiterer wird sicherlich bald folgen |
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